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Die Methode

Der Gründer Eric Berne
Hintergrund der Transaktionsanalyse
Menschenbild der Transaktionsanalyse
Was ist ein gesunder Mensch?
Was tut die TA bei Schwierigkeiten, Störungen und Problemen?
Interventionen in der Transaktionsanalyse
Zusammenfassung
Literaturliste

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Eric Berne


Der Begründer der Transaktionsanalyse war Eric Berne, ein Arzt und Psychiater. Er wurde 1910 in Montreal, Kanada geboren und starb 1970 in San Francisco. Berne studierte Medizin in Kanada und bildete sich dann zum Psychiater aus. Er wurde Bürger der Vereinigten Staaten und war während des Krieges Psychiater in der Armee. 1941 begann er eine Lehranalyse bei Paul Federn in New York, nach dem Krieg setzte er seine psychoanalytische Ausbildung in San Francisco und bei Erik Erikson fort. Beide Lehranalytiker haben sein Denken wesentlich geprägt. Als Arzt und Therapeut war er jedoch unzufrieden mit der Effizienz und der Dauer der klassischen Psychoanalyse und der zu seiner Zeit üblichen grundsätzlichen Zurückhaltung des Analytikers auch in der Gruppentherapie. 1958 gründete er die "Sozialpsychiatrischen Seminare" in San Francisco (ab 1964 "Transaktionsanalytische Seminare") wo in der Auseinandersetzung und im Dialog mit vielen erfahrenen Psychotherapeutinnen und -therapeuten die neue Schule entstand.

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Hintergrund der Transaktionsanalyse

Hintergrund der Methode sind die drei Strömungen der therapeutischen Psychologie der Zeitepoche, die die Transaktionsanalyse ausdrücklich zusammenführen will:

1. Die Psychoanalyse, wobei neben der klassischen Psychoanalyse nach Sigmund Freud, die Individualpsychologie nach Alfred Adler besondere Aufmerksamkeit findet. Analog zu Adler ist Berne der Ansicht, dass die Frage nach der eigenen Bedeutung (Wert, Position, Macht) ebenso wichtig ist, wie die Frage nach der Sexualität. Er übernimmt auch die Idee eines Lebensplanes, den er Skript nennt.

2. Verhaltenstherapie als kognitive Verhaltenstherapie. Das heisst, Denken, Fühlen, Wissen, Erinnern usw. werden als (inneres) Verhalten aufgefasst, mit dem man ähnlich wie mit manifestem (äusseren) Verhalten auch, direkt und therapeutisch umgehen kann. Eric Berne hat kongenial zu Kollegen wie Beck und Ellis hier eine neue Form der Psychotherapie entwickelt.

3. Die Transaktionsanalyse übernimmt im Wesentlichen das Menschenbild der Humanistischen Psychologie. Die Humanistische Psychologie ist weniger eine Schule der Psychologie, als ein philosophischer, erkenntnistheoretischer und ethischer Stellungsbezug gegen eine einseitig naturwissenschaftliche und reduktionistische Haltung in der Psychologie.
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Menschenbild der Transaktionsanalyse

1. Alle Menschen sind ok, was bedeutet: Jeder Mensch hat ein Recht zu leben; jeder Mensch hat ein Recht auf Entfaltung seines Potentials; jeder Mensch ist einmalig und hat einen grundlegenden Kern, der liebenswert und wichtig ist unabhängig von seinem Verhalten

2. Jeder Mensch ist eine Ganzheit im Blick auf seine Person und Gesamtsituation. Die Transaktionsanalyse sieht den Menschen als eine Einheit von Denken, Fühlen und Verhalten.

3. Der Mensch ist im Wesen sozial und auf wechselseitige Unterstützung angewiesen; der Mensch hat Bedürfnisse. Die Transaktionsanalyse betont die Bedürfnisse nach Zuwendung und Beachtung, nach Position, nach Strukturen (z.B. Zeitstrukturierung), und das Bedürfnis "Sinn zu machen" (Lebensskript).

4. Der Mensch ist eingebunden in die implizite Ordnung seiner Ursprungsfamilie. Die systemische Transaktionsanalyse geht davon aus, dass den Menschen neben den individuellen Bedürfnissen auch ein Bedürfnis nach Ordnung und Ausgleich im Familiensystem innewohnt.

5. Der Mensch ist, besonders in seinen Kind-Anteilen, ein verletzliches Wesen.

6. Nach transaktionsanalytischer Auffassung besitzt jeder Mensch eine Freiheit der Entscheidung und Verantwortung für sein Leben. Er ist nicht bloss Opfer seiner Situation und passiver Empfänger von äusseren Einflüssen. Der Mensch ist aktiver Gestalter seines Lebens.

7. Der Mensch hat die Möglichkeit, sich selbst zu verändern. Er hat die Möglichkeit, sein Verhalten, sein Denken und selbst sein Fühlen zu beeinflussen. Er kann, was er früher einmal in einer Situation der Abhängigkeit oder Gefährdung und mit den begrenzten Mitteln des Kindes entschieden hat, als erwachsener Mensch revidieren und korrigieren.
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Was ist ein gesunder Mensch?


- Der seelisch gesunde Mensch befindet sich in einem Zustand des OK-Seins , d.h. er verfügt über das Gefühl der Daseinsberechtigung und des Wert-Seins;

- Seelische Gesundheit bedingt und ermöglicht die Fähigkeit zu bewusstem Leben und Erleben (von Freudigem und von Schmerzlichem), die Fähigkeit zu Wachstum und Entfaltung von eigenen Möglichkeiten;

- Der seelisch gesunde Mensch ist in der Lage, sich auf seine (namentlich die menschliche) Umwelt einzulassen und autonom und vorurteilsfrei auf sie zu reagieren;

- Seelische Gesundheit geht einher mit der Fähigkeit, Realitäten anzunehmen, Probleme als solche zu erkennen und selbständig Lösungen anzustreben;

- Der seelisch Gesunde ist beziehungs- und liebesfähig; er hat und erkennt die Möglichkeit zur Selbstveränderung, er lebt in Selbstverantwortung und nimmt soziale Verantwortung wahr. Sinngemäss gelten diese Aussagen auch für Beziehungen, Systeme (z.B. Familien, Klassen, Teams) und grössere Organisationen.
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Was tut die Transaktionsanalyse bei Schwierigkeiten, Störungen und Problemen?


Schwierigkeiten, Störungen und Probleme beeinträchtigen das Wohlbefinden und die Gesundheit von Einzelnen, erschweren oder verunmöglichen Beziehungen und das Funktionieren von Organisationen. Der/die Berater/in oder Therapeut/in erstellt zuerst eine Diagnose der Störung. Diese erlaubt dann die passenden Massnahmen zu ergreifen. Dazu stellt die Transaktionsanalyse verschiedene Werkzeuge (Modelle) zur Verfügung.

- Persönlichkeitsanalyse: Diagnose von Ich-Zuständen (Erwachsenen-, Kind-, Eltern-Ich-Zustände).

- Erlebens- und Verhaltensanalyse: Diagnose von dysfunktionalen Erlebens-, Denk- und Verhaltensmustern, z.B. Rackets (Ersatz- oder Maschengefühle), innere Antreiber, Discounting (Verleugnen), Passivität und Grandiosität.

- Beziehungsanalyse: Diagnose von dysfunktionalen Interaktionsmustern und Beziehungsgewohnheiten, namentlich unstimmige Transaktionen, sog. psychologische Spiele und symbiotische Beziehungsmuster.

- Skriptanalyse: Die komplexe Skript-Diagnostik befasst sich u.a. mit der Erforschung von destruktiven Botschaften , daraus abgeleiteten autonomiebeschränkenden Grundannahmen und Skriptüberzeugungen, und von geheimen Zielen und Skriptillusionen.
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Interventionen in der Transaktionsanalyse


Das Ziel der Transaktionsanalyse ist der gesunde Mensch, das gesunde System, die gesunde Organisation (siehe oben). Um das zu erreichen, braucht es oft zweierlei: einerseits die Lösung/Befreiung von (z.B. Konflikten, Symptomen, Not) andererseits die Lösung/Befreiung zu (z.B. Selbstverantwortung, Sinnfindung, Arbeitsfähigkeit, Liebesfähigkeit).

Auf der operationalen Ebene betrachtet, ist das Ziel der Transaktionsanalyse die Erfüllung des Vertrags. TransaktionsanalytikerInnen arbeiten grundsätzlich mit einem sogenannten Vertrag. Dieser spricht nicht nur die äusseren Bedingungen der Arbeit mit dem Klienten (-system) an, sondern vor allem auch die Ziele und die Wege diese zu erreichen. Partnerschaftliche Zusammenarbeit entspringt und entspricht dem Menschenbild der Transaktionsanalyse.

Daneben kennt die Transaktionsanalyse übergeordnete Leitziele. Dies sind:

- Autonomie im Sinne der Skriptfreiheit ;
- Spontaneität im Sinne von angemessenen, auf das Hier-und-Jetzt bezogenen, von Fixierungen und äusseren Einflüssen freien Erlebens-, Ausdrucks- und Verhaltensweisen;
- Beziehungsfähigkeit im Sinne der Spielfreiheit und der Fähigkeit zur gelebten Intimität ( Nähe);
- Übernahme von Eigen- und sozialer Verantwortung.

Auch wenn es "nur" darum geht und vertraglich so vereinbart ist, eine Lösung von z.B. einem Konflikt zu erreichen, wird der/die Transaktionsanalytiker/in doch implizit auf diese Leitziele hinarbeiten. Das bedeutet, dass das Ziel nur dann wirklich als erreicht gilt, wenn die Befreiung vom Konflikt nicht auf Kosten eines Leitzieles erfolgte, (der Konflikt also in unserem Beispiel nicht so gelöst wurde, dass die Beziehung erschwert oder gar die Beziehungsfähigkeit vermindert wurde).

Die Transaktionsanalyse stellt zwar eine umfassende und zusammenhängende Lehre dar, sie legt den Therapeuten/Berater/Supervisor jedoch nicht auf eine bestimmte Handlungsweise fest. Transaktionsanalytisches Denken lässt aufdeckende, emotional-erlebnisbezogene, verhaltensmodifizierende und andere Vorgehensweisen zu.

Die Transaktionsanalytische Psychologie ist seit ihrer Begründung offen für und im ständigen Austausch mit anderen Denkweisen und Schulen. Seit jeher werden Techniken und Methoden anderer Schulen verwendet, sofern sie mit den eigenen Grundannahmen und -theorien kompatibel sind.
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Zusammenfassung


Die Transaktionsanalyse als psychologische Lehre verbindet intrapsychische und interpersonale (interaktionale) Betrachtungsweisen. Sie schenkt dem seelischen Austauschgeschehen zwischen Menschen die gleiche hohe Beachtung wie der innerseelischen Struktur und Dynamik des Individuums. In diesem Sinne ist die Transaktionsanalyse ihrem Wesen nach ein systemischer Ansatz:

Sie sieht den Menschen als lebendiges, sich selber organisierendes (seelisches) System mit seinen Subsystemen (Ich-Zustände). Zwischenmenschliche Beziehungen werden ebenfalls als lebendige, selbstregulierende Systeme mit ihren Sub- und übergeordneten Systemen betrachtet (Paar, Eltern-Kind-System, Familie, Gesellschaft, usw.).
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Literaturliste:


- Babcock, D.E. & Keepers,T.D. Miteinander wachsen, Transaktionsanalyse für Eltern und Erzieher, München 1980
- Berne, E. Die Transaktionsanalyse in der Psychotherapie. Eine systematische Individual- und Sozial-Psychiatrie. Paderborn 2000
- Berne, E. Spiele der Erwachsenen. Psychologie der menschlichen Beziehungen, Reinbek
- Berne, E. Was sagen sie, nachdem Sie "Guten Tag" gesagt haben? Psychologie des menschlichen Verhaltens, München 1975
- Berne, E. Transaktionsanalyse der Intuition. Ein Beitrag zur Ich-Psychologie, Paderborn 1991
- Berne, E. Struktur und Dynamik von Organisationen und Gruppen, München 1979
- Clarkson, P. (1996). Transaktionsanalytische Psychotherapie.
- English, F. Es ging doch gut - was ging denn schief? Beziehungen in Partnerschaft, Familie und Beruf, München 1992
- English, F. Gefühle und Ersatzgefühle in Beziehungen, Hamburg ISKO-Press, 1980
- Erskine, R.G. and Moursund, J. (1991). Kontakt - Ich-Zustände - Lebensplan.
- Goulding, McC. & Goulding, R.L. Neuentscheidung, Stuttgart 1981, 1986
- Hagehülsmann, U. Transaktionsanalyse. Wie geht denn das? Transaktionsanalyse in Aktion I, Paderborn 1992
- Hagehülsmann, U. Beratung und TA. Wie geht denn das? Transaktionsanalyse in Aktion II, Paderborn 1993
- Hennig, G./Pelz, G. Transaktionsanalyse. Lehrbuch für Therapie und Beratung, Freiburg 1997
- Rautenberg, W. & Rogoll, R. Werde der du werden kannst. Persönlichkeitsentfaltung durch Transaktionsanalyse, Freiburg 2001
- Schlegel, L. Die Transaktionale Analyse. Eine Psychotherapie, die kognitive und tiefenpsychologische Gesichtspunkte kreativ miteinander verbindet, Tübingen/Basel 1995, 4. Auflage
- Steiner, C.M. Wie man Lebenspläne verändert, Paderborn 1982 Stewart, I. Transaktionsanalyse in der Beratung, Paderborn 1991
- Stewart, I. & Joines, V. Die Transaktionsanalyse, Freiburg/Basel/Wien 1990

Zeitschriften:

- Transactional Analysis Journal, Organ der ITAA, San Francisco
- Zeitschrift für Transaktionsanalyse in Theorie und Praxis, Organ der DGTA, Paderborn